Wanderwach & Kaffee

Mit Daina nachdenken übers weite Wandern

Trail Talk mit Mareike Schmidt Season 1 Episode 147

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In dieser neuen Folge von Wanderwach & Kaffee setze ich das Gespräch mit Daina fort, die bereits im April zu Gast war. Mit mittlerweile über 11.000 Kilometern in den Beinen – von den rauen Pfaden in Norwegen über den Arizona Trail bis hin zum Greater Patagonia Trail in Chile – teilt Daina Einblicke in ein Leben, das vom Gehen geprägt ist. Wir sprechen darüber, was das weite Wandern jenseits der körperlichen Anstrengung bedeutet: den schnellen Einstieg in den Wanderflow, die wohltuende Entschleunigung und das Gefühl, ganz bei sich und der Natur zu sein, während der Alltagskleinkram in weite Ferne rückt.

Daina teilt mit uns

  • wie sie ihre Trails heute auswählt und warum sie dabei gezielt nach Ruhe und technischem Anspruch sucht.
  • weshalb sie sich für das Zelt und gegen die Zivilisation entscheidet und warum klassische Pilgerwege wie die spanischen Caminos für sie nicht infrage kommen.
  • welche Trails auf ihrer Wunschliste stehen.

Ein wichtiges Thema unseres Gesprächs ist zudem die kritische Auseinandersetzung mit Overtourism und der verzerrten Wahrnehmung von Wanderwegen durch Social Media. Wir beleuchten, wie man auch ohne immense Kosten und ohne Weltreise echte Abenteuer findet, wenn man bereit ist, Alternativen zu den bekannten Hypes zu entdecken.

Viel Spaß beim Hören,

Eure Mareike

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SPEAKER_00

Ah, gefühlt es ist eine halbe Ewigkeit her, dass ich die letzte reguläre Episode veröffentlicht habe. Ich musste eine kleine Pause einlegen, weil ich nun ja ziemlich busy war die letzten Wochen, um von Auckland nach Amsterdam umzuziehen. Diese Episode wird also nicht nur die erste nach einer kleinen Pause sein, sondern die erste, die ich direkt aus Europa launchte. Ich bin also mit den meisten von euch wieder in einer Zeitzone. Wie schön. Ja, und erinnert ihr euch, im April war Dina, die im Podcast keine Unbekannte ist, bei mir zu Gast und hat über den Sentiero Italia erzählt. Wir haben damals ein ziemlich langes Gespräch geführt und heute erscheint der zweite Teil. Denn als wir uns getroffen haben, war nicht nur der Sentiero-Gesprächsthema, sondern auch viele weitere Aspekte des Weiten Wanderns. Denn wie gesagt, Dina ist ziemlich erfahren und hat eine ganze Menge Wanderkilometer in den Beinen. Ja, und damit herzlich willkommen bei einer neuen Episode von Wanderwach und Kaffee. Mein Name ist Mareike, ich liebe das Weite Wandern und rede in meinem Podcast mit Gästen, denen es ganz genauso geht. Ja, und ihr findet Wanderwachen Kaffee toll und wollt den Podcast und meine Arbeit unterstützen? Das könnt ihr tun, indem ihr den Podcast natürlich abonniert und möglichst viele Sterne verteilt. Ihr könnt euch auch bei Wanderwach Plus anmelden, der Wanderwach-Community, und dann erhaltet ihr Zugriff auf Bonusfolgen und den Community-Newsletter. Mit all eurer Unterstützung kann ich Wanderwachen Kaffee weiterhin regelmäßig anbieten und spannende Gäste einladen, die von interessanten Trails erzählen. Wir steigen auch gleich mehr oder weniger direkt ins Gespräch ein. Für alle, die sich nicht mehr im Detail erinnern können, Dina ist leidenschaftliche Waldwanderer, die mittlerweile um die 11.000 Kilometer in den Bein hat. Sie lived in der Gegend von Garmisch Parkenkirchen andet dort auch als Sozialarbeiterin. We have uns kurz darüber unterhalten, dass weiter Arizona Trail schon wieder total viel Zeit vergessen is. Lasst euch also nicht irritieren, when Dina and I auch the Sentiero Italia hin and we awane. In the trail gesprochen, but this thing in April veröffentlicht. Los geht's. Feel Spaß beim Hören des zweiten Teils des Gesprächs von Dina und mir. Ja, sehr schön. Und ist das schon wieder so lange her, dass wir über den Arizona Trail gesprochen haben? Ist da schon wieder so viel passiert zwischendurch?

SPEAKER_02

Ja, doch. Wobei, als ich über den Arizona Trail gesprochen habe, da bin ich schon auch nur wegen der Länge nachgegangen, aber danach ist da noch mehr passiert. Also ich bin sehr gut. Genau, also Italia bin ich auch schon gegangen, aber wir sind in meiner Wanderbiografie so ein bisschen chronologisch vorgegangen.

SPEAKER_00

Okay, dann nehm uns mal mit in deine Wanderbiografie. Füll mal die Lücke zwischen Arizona Trail und heute. Was ist da alles dazu gekommen?

SPEAKER_02

Genau, also nach dem Arizona Trail bin ich viereinhalb Monate durch Italien gewandert, auf dem Sentiero Italia, über den wir heute ganz ausführlich sprechen werden. Dann bin ich im Jahr darauf, 2023, Norwegen der Länge nachgegangen, bis, also vom südlichsten Punkt bis zum Nordkap. Und 2024 war ich mit meinem Mann zusammen in Südamerika unterwegs, bis einschließlich 2025. Dort war ich wandern in Peru, in Bolivien und auch auf dem Greater Patagonian Trail in Chile. Genau, und jetzt war ich noch kürzlich bei den Alpen wandern. Auch wieder in Italien, natürlich. Natürlich. Einmal in Italien, dann komme ich da nicht mehr weg. Geht es zumindest hier.

SPEAKER_00

Aha. Aha, aha, genau. Wir kommen ja heute auf den Sentiar Italia zu sprechen und mal sehen, ob der Funke überspringt, ob ich den dann auch auf meine Liste setze, aber ich befürchte schon Schlimmes. Also im positivsten Sinne. Ich meine natürlich im positivsten Sinne. Und ich finde das so klasse. Du bist ja nicht nur Weitwandernde, sondern du bist auch Reisende. Du bist weltweit im Grunde genommen unterwegs und nimmst dir auch immer wieder die Auszeiten und versuchst das dann auch immer mit dem weiten Wandern zu verbinden. Und ich bin natürlich neugierig, was das Wandern dir gibt. Also ich möchte gar nicht die Frage stellen, wie du zum Wandern gekommen bist und ob das so der Klassiker war, ob dich deine Eltern vielleicht mal mitgeschleppt haben, weil wer das wissen möchte, dem empfehle ich die Arizona Trail-Episode mit Deiner zu hören. Da sind wir da intensiv drauf eingegangen. Aber für heute möchte ich dir die Frage stellen, was gibt dir das Weite Wandern? Jetzt auch, gerade nachdem du so viele weitere Trails gegangen bist, seitdem wir uns gesprochen haben. Also Deiner, was ist es? Was ist die Faszination des Weitenwanderns für dich?

SPEAKER_02

Also ich merke immer wieder, wenn ich unterwegs bin, wenn ich eine mehrtägige Tour mache, sei es auch nur für fünf Tage, dass ich ziemlich schnell wieder an diesen Wanderflow komme. Also das geht inzwischen ziemlich schnell. Ich merke, ich habe da dann schnell wieder meine Wanderroutine drin, wie ich das auf einem mehrmonatigen Zuhigh habe. Und es entstresst, es entschleunigt total. Ich bin dann ganz bei mir und bei der Natur. Und ich muss mich nicht um diesen Kleinkram kümmern, der im Alltag einfach so anstrengend ist, würde ich mal sagen. Also auf dem Wandern ist es einfach. Man kümmert sich um wirklich wichtige Dinge im Leben. Kriegt man genug Wasser, wo kann man einkaufen? Und das ist irgendwas, was mich persönlich einfach entspannt. Und ich merke auch, die Bewegung tut mir total gut. Also selbst an einem anstrengenden Tag oder wenn es regnet, merke ich, dass es mir trotzdem gut geht, wenn ich halt den ganzen Tag laufe. Also, das würde ich sagen, ist so der Hauptaspekt bei mir auf jeden Fall. Warum ich immer wieder weit wandern möchte. Und natürlich auch diese unbändige Sehnsucht nach was Neuem. Also ich möchte jetzt auch nicht jedes Mal den gleichen Trail gehen, sondern ich freue mich immer, wenn ich irgendwas Neues sehe. Wenn ich irgendwie bin gespannt, was ist jetzt hinter dieser Ecke, was kommt hinter dem nächsten Berggipfel, wo werde ich heute Nacht schlafen. Das sind alles so, ja, so kleine, ein bisschen kleiner Nervenkitzel, den ich denn jedes Mal habe, der auch immer wieder da ist, weil ich ja natürlich nie weiß, wo ich denn endlich. Ich kann zwar auf der Karte gucken. Aber das, was ich auf der Karte sehe, ist halt, hat wenig mit dem zu tun, was ich jetzt in der Realität sehe. Da kriege ich nur so eine Idee davon, wie die Landschaft dort ist. Aber wie es wirklich ist, sagt die Karte mir ja gar nicht.

SPEAKER_00

Und du als Sozialarbeiterin, du musst ja sicherlich auch ganz viel Beziehungsarbeit mit anderen Menschen. Also ich habe ja auch mit sehr vielen Menschen zu tun. Ich arbeite an der Uni und habe Studierende und viele Kollegen und kommuniziere den ganzen Tag. Und für mich ist es so wahnsinnig wichtig, auch einfach rauszukommen und nicht reden zu müssen. Oh Gott, und dann rede ich auch noch im Podcast. Aber das ist natürlich Leidenschaft. Aber trotzdem, für mich ist so das Weit wandern, auch wegzukommen und einfach mal nicht so viel reden zu müssen. Ist das für dich auch ein Aspekt?

SPEAKER_02

Ja, durchaus, auf jeden Fall. Also ich merke auch, dass ich, wenn ich dann wandere, ganz weit weg bin von den Problemen, die ich dann im Alltag habe oder von den Sorgen im Job, was mich da gerade beschäftigt. Also ich bin dann ganz schnell da weg und ich merke auch, dass ich dann einfach viel entspannter zurückkomme, als wenn ich jetzt zum Beispiel den Urlaub oder das Wochenende eh wieder heimverbringe oder nur mit Tagesausflügen. Also ich komme ganz anders zurück, einfach viel entspannter und ich merke dann auch, dass ich anders reagiere auf irgendwie stressige Umstände. Also wenn jetzt irgendwas Nerviges ist, dann bin ich nach so einer so einem Wanderurlaub, sage ich mal. Also wenn ich jetzt arbeite, dann habe ich ja natürlich jetzt nicht monatelang frei, sondern, keine Ahnung, zwei, drei Wochen, das ist ja das Übliche. Dann komme ich einfach anders wieder. Da bin ich einfach viel entspannter. Ich merke dann, dass ich ja so richtig entschleunigt bin und viel gelassener reagieren kann auf irgendwelche Probleme. Oder wenn jetzt zum Beispiel mein Mann oder Freunde irgendwie Schwierigkeiten haben und über irgendwas reden wollen und dann bin ich einfach viel entspannter.

SPEAKER_00

Also ich glaube, ich bin auch resilienter. Also entspannt im Sinne von resilienter, dass ich mit Problemen, die dann irgendwie im Alltag oder im Job dann kommen, geht man lockere um und ist dann nicht gleich im Panikmodus.

SPEAKER_02

Ja, richtig, richtig, genau. Und ich denke auch, das Weite Wandern zeigt einem natürlich auch, dass es viel existenziellere Situationen gibt. Also dass auch schwierige Zeiten wieder vorbeigehen, dass es weitergeht. Also ich denke, wenn man diese Erfahrungen jetzt nicht hat, dann tut man sie vielleicht schwer. Aber es ist wahrscheinlich jetzt teilweise hängt es auch mit dem Alter zusammen. Also ich glaube, wenn ich jetzt irgendwie wieder Anfang 20 wäre, wäre ich vielleicht genauso nervös wie damals.

SPEAKER_00

Also du meinst, mit dem Alter wird man auch ruhiger.

SPEAKER_02

Ja, würde ich schon sagen. Also zumindest tendenziell. Gilt vielleicht jetzt auch nicht für jeden. Die Menschen sind einfach viel zu unterschiedlich. Aber ich denke, dass das durchaus bei vielen der Fall ist. Weil man einfach dann das alles nicht mehr so neu ist. Also man hat einfach mehr Erfahrung und kann halt auf diese Erfahrung zurückgreifen.

SPEAKER_00

Ja, das stimmt. Ja, also, du bist viele Trails gegangen in den letzten Jahren. Und die Frage, die mich auch immer umtreibt, ist, wie wählt man einen Trail für sich aus? Also ich habe das Gefühl, in den letzten Jahren sind doch immer mehr Trails hinzugekommen, also auf die Landkarte von Waldwandern. Also wenn man vielleicht einsteigt ins Thema Waldwandern, dann hat man so diesen einen Trail, den man vielleicht gehen möchte. Und nachdem man denn gegangen ist, hat man vielleicht Menschen getroffen, die einen Infos über andere Trails gegeben haben oder es gibt neue Trails, die neu markiert werden und so weiter und so fort. Aber wie wählst du für dich diese oder deine Trails aus? Was ist für dich wichtig, wenn es darum geht, welchen Trail laufe ich als nächstes?

SPEAKER_02

Ja, das ist eine gute Frage und auch natürlich eine umfangreiche. Also erstmal muss ich sagen, wie ich überhaupt über die Trails erfahre. Das passiert meistens tatsächlich heutzutage digital. Also über Foren, über Videos oder Social Media. Es ist jetzt eher nicht der Fall, dass ich jetzt unterwegs beim Weitwandern Leute, so viele Leute treffe, die mir von ganz anderen vielen tollen Trails erzählen. Das hat jetzt aber eher damit zu tun, auf den Trades, wo ich bisher unterwegs war. Also ich war jetzt überwiegend auf kleinen, unbekannteren Schlafes unterwegs, würde ich mal sagen. Also wo jetzt nicht irgendwie wie auf einem spanischen Camino, jetzt wie ich ganz, ganz viele Leute unterwegs, wenn man jeden Tag neue Weitwanderer trifft, die einem vielleicht irgendwas empfehlen können. Also da fehlt es einfach an Leuten, die irgendwie die Wandererfahrung haben und da empfehlen können, hier das und das ist doch ganz toll, geh doch mal dahin. Also das eher nicht. Genau, deswegen eher aus den Medien. Und ich merke auch, dass ich dann irgendwie ganz schnell angefixt bin, wenn ich über so einen Weitwanderweg bin. Da denke ich immer, oh, ganz toll, den muss ich jetzt auch gehen, auch in denen muss ich auch gehen, oh super, den auch. Und irgendwie geht das natürlich nicht alles, vor allem nicht gleichzeitig. Deswegen, ja, muss man natürlich auswählen. Wobei ich finde, es ist auf jeden Fall erstmal ganz wichtig zu betonen, dass die Präferenzen sehr, sehr unterschiedlich sind. Also das, was ich jetzt nenne, was für mich wichtig ist, kann für andere vielleicht irgendwie unbedeutend sein oder ist vielleicht irgend ein Kontrapunkt. Also, zum Beispiel, also ich muss immer wieder auch an Christine Türmer denken, die ja immer wieder sagt, Landschaft ist ihr scheißegal. Das kann ich jetzt überhaupt nicht sagen. Also Landschaft ist für mich immer noch so einer der Top-Punkte, der für mich einfach total wichtig ist. Also, ich glaube, das wird sich auch so schnell nicht ändern. Also, ich bin einfach so jemand, ich liebe halt so wunderschöne Naturlandschaften, Bergpanoramen. Das lief ich einfach und wenn ich jetzt irgendwie das zu lange nicht sehe, dann bin ich irgendwann genervt. Oder sehe nämlich danach zurück. Wobei ich sagen würde, also epische Landschaften begeistern mich am meisten. Deswegen habe ich zum Beispiel von dem Ywash Trail berichtet. Das würde ich sagen, ist so der Trail, den ich gegangen bin, wo man in kürzester Zeit maximal viele epische Landschaften sieht. Aber ich finde viele Landschaften schön, möchte ich sagen. Also ich finde auch verwunschene Wälder schön. Ich finde hügeliges Gelände schön. Ich mag Wüsten, solange sie jetzt nicht super monoton sind, also schon so eher hügelig oder bergige Wüsten, wo vielleicht auch hin und wieder mal in den Busch wächst. Also das gefällt mir. Also, wie gesagt, bei der Landschaft ist es mir jetzt primär nicht wichtig, es ist super spektakuläre immer zu haben, sondern halt in der Natur zu sein. Also mir ist wenig Zivilisation. Also was ich wenig mag, ist, wenn man jetzt ständig durch irgendwelche Ortschaften oder Gastät laufen muss. Ja, manchmal ist das ja ganz nett. Vor allem, wenn man einkaufen möchte oder wenn man einen Ruhetag machen muss, dann fände ich es natürlich super, wenn man durch so ein Dorf kommt, wo es da einen schönen Supermarkt gibt oder vielleicht noch ein nettes Restaurant. Aber ansonsten, wenn ich jetzt wandere, bin ich froh, wenn ich da nicht so viel durchlaufen muss. Weil Zivilisation bedeutet meistens, dass man auch viele Menschen. Und ich suche auf meinen Weitwaterungen jetzt eher Ruheeinsamkeit. Das muss jetzt nicht bedeuten, dass da überhaupt keine anderen Wanderer sind, aber ich möchte jetzt auch nicht irgendwie in einer Kolonne laufen. Und ich möchte jetzt auch nicht ständig tausenden Leuten begegnen. Also wenn, würde ich es bevorzugen, dass ich mehr Gleichgesinnte treffe. Deswegen reizen mich durchaus auch Trails wie der Pacific Quest-Trail, wo durchaus viele Wanderer unterwegs sind. Da kannst du, glaube ich, mehr zu sagen als ich. Aber wo es halt Gleichgesinnter sind, mit dem man auch gleiche Themen hat, als wenn man jetzt irgendwo unterwegs bin, wo man zum Beispiel nur Tageswanderer oder Ausflügler sieht, die vielleicht irgendwo zwei Kilometer vom nächsten Parkplatz entfernt unterwegs sind. Genau, also was mir auch sehr wichtig ist, ist, dass der Resupply-Abstand nicht so lang ist. Also ich habe mir da so ein Maximum gesetzt, also mehr als eine Woche möchte ich und kann ich auch nicht tragen, weil ich einfach keinen so superschweren Rucksack tragen kann. Ich würde es gerne können, aber das hat bisher nie funktioniert. Ja, also Zivilisation am besten so, würde ich mal sagen, so am besten zweimal die Woche, würde ich sagen. Zweimal die Woche einkaufen ist super. Einmal die Woche einkaufen ist auch noch okay. Genau. Und was mir auch an den Wegen wichtig ist, ich mag es überwiegend auf Fußgängerwegen unterwegs zu sein. Also jetzt so Wege, wo halt keine Autos fahren, wo jetzt vielleicht auch nicht tausende Radfahrer unterwegs sind. Und ich mag es durchaus auch gern, wenn diese Wege etwas rauer, ruppiger sind, wenn die mal schwieriger sind und man sich ein bisschen mehr anstrengen muss. Also jetzt nicht nur steil bergauf, das finde ich oft eher nervig, aber das gehört halt dazu, wenn man in den Bergen wandern möchte. Da freue ich mich immer, wenn es wieder runter geht. Sondern auch, dass es halt technisch auch mal anspruchsvoller ist. Also dass es vielleicht, ja, man ein bisschen die Hände zur Hilfe nehmen muss, dass man navigieren muss, dass man jetzt nicht irgendwie, es immer nur super einfach ist und man quasi irgendwie Traumhabert durch die Gegend tapern kann, sondern dass man auch mal ein bisschen gucken muss. Also finde ich persönlich ganz angenehm. Habe ich so gemerkt im Laufe der Zeit. Das wusste ich aber vorher auch nicht. Ja, und ich bin überwiegend oder am liebsten mit dem Zelt unterwegs und deswegen finde ich es natürlich gut, wenn man jetzt irgendwo auch zelten kann oder wenn es sogar erlaubt ist. Also leider ist das mit dem Erlaubten in Europa jetzt meistens schwierig, aber häufig ist es zumindest möglich.

SPEAKER_00

Okay, also da höre ich ja schon ganz viele Aspekte raus und ganz viele Kriterien, die für dich wichtig sind. Gibt es für dich Trails, die du für dich ausschließt? Also ich kann mich erinnern, ich habe ja auch schon mehrfach mit Christine gesprochen und Christine schließt für sich zum Beispiel, zumindest hat sie das im letzten Gespräch gesagt, solche Trails wie T-Araroa schließt sie zum Beispiel für sich aus. Das ist zu überlaufen und das reizt sie auch gar nicht. Und sie sagt ja auch, wie du gerade erwähnt hast, Landschaft ist ihr eigentlich egal. Ich lasse jetzt das SCH-Wort weg, aber das benutzt sie ja. Also gibt es für dich Trails, die du für dich ausschließt, wo du sagst, boah, sowas möchte ich nicht gehen, das reizt mich null.

SPEAKER_02

Ja, doch, das gibt es auf jeden Fall. Also ich würde sagen, ich würde es jetzt in verschiedene Kategorien einteilen. Die eine ist so ein, was ich gerade beschrieben habe, so ja, das passt voll in mein Profil. Und dann natürlich Wege, wo ich sage, nee, das passt so gar nicht. Und dann gibt es vielleicht welche, die so Mitte sind, wo ich sage, ja, wäre vielleicht mal nett zum Ausprobieren. Also, was ich jetzt gar nicht mögen würde, wäre zum Beispiel so ein spanischer Camino. Weil zumindest, ich bin keinen gegangen, aber ich habe natürlich schon mal Reiseberichte, Facebook-Beiträge oder so angeschaut dazu und lese da auch gern mit. Und wenn ich jemanden treffe, dann höre ich auch gern zu, wenn er davon erzählt. Also ich finde es immer interessant, wenn jemand von irgendwelchen Trails oder anderen Reisen erzählt, egal was. Aber das hätte so, wie so ein spanischer Camino hätte halt viel was mich stört. Und zwar, dass es viel über Asphalt geht, viele Schotterstraßen, meistens durch die Zivilisation, also weniger jetzt durch, sagen wir mal, wildere Naturabschnitte. Und Zelten könnte es dann auch schwieriger sein, vermute ich zumindest. Ja, also ich glaube, das wäre mir einfach zu zivilisationsnah und auch von den Wegen her würde mir das nicht zurückgefallen. Deswegen würde ich das persönlich jetzt für mich ausschließen.

SPEAKER_00

Finde ich auch vollkommen legitim.

SPEAKER_02

Genau, aber auch zum Beispiel The Ararua reizt mich zum Beispiel sehr. Ich frage mich bei solchen Schwells durchaus auch schon, ob mir die vielleicht zu voll sein könnten. Oder auch beim PCT, wie das ist, wobei ich da auch verschiedene Ansichten höre. Ich höre dann auch immer wieder, ah sie so voll ist das denn gar nicht. Das verteilt sich. Oder es brechen sowieso dann relativ viele Leute ab, dass nach, weiß ich nicht, zwei, drei Wochen es auf einmal nicht mehr so voll ist. Keine Ahnung. Also kann ich jetzt nur teilweise beurteilen, weil ich da, wie gesagt, das noch nicht gegangen bin. Ich bin in den USA nur den Arizona-Trail zum Beispiel gegangen und der war jetzt überhaupt nicht überlaufen. Also da hatte ich jetzt nie das Gefühl, dass es da voll ist. Aber der ist jetzt natürlich auch kein super bekannter Trail, wo jetzt die Massen hingehen. Ja, und was ich jetzt auch, glaube ich, eher unattraktiv fände, ist zum Beispiel der NST. Also ich finde, also der Süd-Nord-Süd-Trail, ich finde das ein interessantes Projekt und lese dann gern was zu. Ich schaue mir auch gerne ein Video an. Aber ich weiß nicht. Also ich meine, ich wohne ja in Deutschland, aber so wandern in Deutschland, ich weiß nicht. Also ich wohne halt irgendwie in den Alpen, beziehungsweise am Deutschen Alpenrand. Deutschland hat ja nicht viel von den Alpen. Aber wenn ich halt irgendwie wandern gehe, dann gehe ich halt meistens Richtung Süden, Richtung Alpen. Also wenn ich gerade wenn ich jetzt kürzer Zeit habe und die Anreise auch wichtig ist, dann mag ich gern irgendwie kurze Anreise haben. Und ja, die Alpen liegen halt vor der Haustür. Und ich bin auch schneller in Italien, als dass ich in einem deutschen Mittelgebirge bin.

SPEAKER_00

Ah ja.

SPEAKER_02

Ich würde schon gerne mal in so einem deutschen Mittelgebirge wandern. Und ich glaube, vielleicht klappt das auch dieses Jahr noch im Herbst, zumindest mal für eine Woche, das mal auszuprobieren. Ich denke auch, dass es da durchaus ganz schöne Abschnitte gibt, auch ein paar schöne Trails. Also ich denke, da gibt es schon was, aber komplett durch Deutschland durchzulaufen, ist, glaube ich, würde ich sagen, nicht so meins, weil das, denke ich, wieder viel Zivilisation, vor allem dieses flache Land im Norden. Weiß nicht, habe ich so die Vorstellung, dass man da ganz viel an Weideflächen, Ackerland vorbeiläuft, viel Asphalt, viel Schotter. Ja, das wäre irgendwas, was mich abschreckt. Also ich habe Deutschland eher so kürzere Trails durch irgendwelche Mittelgebirge. Also, das kann ich mir da vorstellen. Aber so eine komplette Durchwanderung nicht. Aber auch das, was Christine Türmer gemacht hat, zum Beispiel durch Japan wandern, kann ich mir auch nicht so wie ich für mich vorstellen. Vielleicht mal, wenn ich jetzt irgendwie irgendwann mal nach Japan rein sollte, dass man da sagt, man geht mal auch mal eine Woche wandern, ja, aber da waren so viele Sachen, die mich abgeschreckt haben. Insbesondere das Klima, also so extremes Klima wäre auch nichts für mich. Also 35 Grad und 90% Luftfreigkeit, nein, danke. Da, weiß nicht, nach zwei Kilometern, glaube ich, würde ich abbrechen. Also das wäre gar nichts für mich. Also ich bin ja auch in Norwegen gewandert und fand das Wetter da eigentlich ganz schön.

SPEAKER_00

Ja, aber als du vorhin gerade so gesagt hast, dass ja relativ viele auch auf Te Ajaroa unterwegs sind und dass das durchaus wahr und auch auf dem Pacific Crest Trail. Also ich denke, dass das ganze Thema Overtourism auch vielleicht auf dem einen oder anderen längeren Trail mittlerweile ankommt oder vielleicht sogar schon angekommen ist. Und das spielt natürlich Social Media eine große Rolle. Ich vermute, das spielen natürlich auch Wanderwache und Kaffee so eine kleinere, mittelgroße Rolle vielleicht. Ich weiß es nicht. Also es gibt eine ganze Menge Trails, die immer bekannter werden. Und diejenigen, die eben noch nicht so viel Weitwandererfahrung haben, die orientieren sich dann mal Richtung bekanntere Trails, wo es auch mehr Informationen gibt, wo man sich auch mit anderen zusammentun kann, wo man auch weiß, dass man unterwegs eben nicht allein ist und sich vielleicht auch sicherer fühlt, auf diesen Trails unterwegs zu sein. Aber dann ist man eben auch mit durchaus einigen anderen Wandernden unterwegs. Und ich denke auch, gerade so in den letzten wenigen Jahren, dadurch, dass immer mehr Trails auch bekannter werden und etabliert werden, es gibt mittlerweile so viele. Es gibt viele tolle Wege, die man gehen kann außerhalb dieser großen bekannten Trails, sei es die großen Triple Crown Trails in den USA oder Tara Rua. Es gibt so viele Trails, wo man einfach mal schauen kann, wie die so aufgestellt sind, was es da zu sehen gibt, wo man da wandern kann. Und ich glaube, da kann man durchaus auch mal links und rechts des Pacific Rest Trail schauen, was es da gibt, wenn man eben auch vielleicht ein bisschen mehr Ruhe haben möchte und vielleicht was anderes erleben möchte und nicht mit großen Trail-Families dann nun durch die Gegend wandern will. Wie siehst du das ganze Thema Overtourism? Siehst du da auch so die Gefahr, dass es auf manchen Fernwanderwegen ein Thema werden könnte?

SPEAKER_02

Ja, doch, denke ich auch. Also ich sehe das Thema schon auch, wobei ich das Thema Overtourism jetzt bei Fernwanderwegen jetzt sagen wir mal etwas eingeschränkter sehe als beim normalen Tourismus. Mit normalem Tourismus eigentlich jetzt Leute, die jetzt nicht minimalistisch mit Rucksack zählt oder vielleicht gegebenenfalls noch mit dem Fahrrad unterwegs sind, also Muskelkraft und mit Muskelkraft unterwegs sind, sondern eher überall da, wo man mit dem Auto hinkommen kann. Da sehe ich halt die größere Gefahr. Zumindest ist es das, was ich jetzt auch bei mir zu Hause im Tourismus-Hotspot Deutschlands, Gabischpartenkirchen beobachte, überall da, wo ein Parkplatz in der Nähe ist, ist es voll. Das merkt man auf jeden Fall oder ja, oder was alles iviser, aber auch klar, also das stimmt schon. Also ich habe auch den Eindruck, so wie der PCT, ich meine, der reizt mich ja durchaus auch. Haben auch der THO-Auton. Ja, oder auch sicher. Oder auch dieser spanische, diese spanischen Caminos sind bestimmt auch für andere mit einem anderen Bedürfnis als ich auch super tolle Wege. Aber ich glaube auch, dass Social Media das Ganze irgendwie so verzerrt, weil natürlich die meisten Leute, die Mehrzahl ist dort unterwegs. Das heißt, die Mehrzahl von denen, die vielleicht irgendwie Social Media eine gewisse Reichweite haben, sind auch dort unterwegs, berichten davon und dann wird die Reichweite immer größer. Und dadurch entsteht natürlich auch wie so eine Art Blase, weil über so Wege wie zum Beispiel in Sentiero Italia, den kennt halt kaum jemand. Selbst in Italien. Auch nur wegen der Länge nach, also was ich gegangen bin. Ich glaube, das ist ein bisschen bekannter, aber jetzt auch, würde ich jetzt sagen, nur bei welchen, die jetzt sich wie intensiv mit dem Thema auseinandersetzen oder vielleicht zufällig Norwegen-Fan sind, ist das bekannt. Aber trotzdem ist das halt alles andere als überlaufen. Also, ja, also du kannst wahrscheinlich noch mehr dazu sagen, wie das zum Beispiel die Situation in Neuseeland ist, aber ich glaube auch mit diesem, ich weiß nicht, so eine Art Permit, was da installiert worden ist, jetzt, wo man quasi eine verpflichtende Gebühr zahlen muss, das ist für mich auch schon ein Zeichen dafür, dass die da die Behörden da so eine gewisse Gefahr durch Overtourismus sehen. Das wird natürlich auf vielen Wegen in Europa, die unbekannt sind, überhaupt keinen Sinn ergeben, weil was lohnt es sich, so eine Gebühr zu erheben, diesen Verwaltungsaufwand zu betreiben für die zehn Leute, die da unterwegs sind.

SPEAKER_00

Ja, genau.

SPEAKER_02

Das lohnt sich ja gar nicht, aber klar, da sind dann irgendwie ein paar Tausende unterwegs und das rentiert sich denn auch. Und klar, da ist natürlich die Natur auch mehr belastet. Die Infrastruktur muss einfach auch mehr hergeben, als jetzt irgendwie so ein Weg, wo halt wie gesagt zehn Leute durchlaufen und halt vielleicht noch ein paar Tageswanderer hin und wieder mal unterwegs sind. Das ist schon so gut.

SPEAKER_00

Neuseeland ist natürlich auch attraktiv dadurch, dass man den Weg hier zur Herbst-Wintersaison auf der Nordhalbkugel läuft, weil dann natürlich Frühjahr, Sommer, Herbst hier in Neuseeland ist. Und das ist natürlich super attraktiv, quasi in der Anti-Wanderzeit im Norden dann nach Neuseeland zu kommen und hier den Sommer zu erleben. Das stimmt, das stimmt total. Ganz toll.

SPEAKER_02

Ja, also ich finde den deutschen Winter jetzt auch nicht so toll. Also ich mag Schnee, aber ich mag halt nicht Nässe, Kälte und Dunkelheit. Und ja, es ist auch durchaus attraktiv.

SPEAKER_00

Und hier in Neuseeland, der Teararoa, also da ist unter den Neuseeländerinnen und Neuseeländern schon eher als der Weg für Touristen bekannt. Und klar, also man trifft unterwegs auch Kiwis, also die Personen, die hier leben, die ihr eigenes Land entdecken wollen, dann Teararoa auch gehen. Aber die Mehrheit sind tatsächlich internationale Wandernde und dementsprechend ist auch der Ruf des Teararoa. Also das wird hier schon eher als so der Wanderweg für die Overseas Tourists gesehen, also die dann irgendwie aus Europa kommen oder aus den USA oder meinetwegen selbst aus Australien. Das ist interessant.

SPEAKER_02

Naja, das ist aber auch schwer nachzusehen, warum gehen die Neuseeländer dort selber wenig? Also ich meine, auf dem PCT oder in amerikanischen Waldwanderwegen ist es ja einfach anders. Also wenn ich da liest da auch immer Half-Way Anywhere so Statistiken, die Mehrzahl ist immer noch amerikanisch. Oder gehen die Neuseeländer einfach nicht so gerne mehrere Tage oder so lange zu Fuß? Vielleicht finden die das einfach nicht so attraktiv.

SPEAKER_00

Also zum einen gibt es erstmal nicht so viele Neuseeländer. Also hier gibt es gerade mal fünf Millionen Menschen. Ja. Und das ist natürlich dann erstmal eine eingeschränkte Menge, aus der natürlich noch sehr viel weniger Menschen dann auch wandern gehen. Es gibt ja diese Great Walks, also ich glaube, mittlerweile sind das zwölf, das sind so Mehrtagestouren. Und das ist so ein kleiner Sport hier in Neuseeland, dass man alle Great Walks geht. Also die Kiwis sind da eher auf diesen Great Walks unterwegs. Oder wenn sie dann richtig erfahrene Outdoor-Leute sind und ganz viele Kiwis sind halt auch wirklich harte Knochen, die gehen dann ihre eigenen Wege. Die sind dann mal am Wochenende irgendwo in den Tararuas außerhalb des TA unterwegs oder kennen da irgendwo so eine Hütte hinter so einem Bergpass, wo sie da ihr verlängert das Wochenende verbringen. Also die wissen schon ihre Gegenden, wo sie dann unterwegs sein können, wo sie dann auch möglichst wenig andere Menschen treffen. Aber es gibt einfach auch nicht so viele Neuseeländerinnen und Neuseeländer wie jetzt zum Beispiel in den USA, Amerikaner. Und von daher sind schon mal sehr viel weniger Prozent an Kiwis dann eben auf dem TA unterwegs.

SPEAKER_02

Das ergibt natürlich, das ergibt total Sinn, so wie du das erzählst. Also klingt nachvollziehbar. Aber ich finde auch Neuseeland ist so ein Trendreiseziel. Also ich meine, klar, mein Mann will auch unbedingt machen nach Neuseeland. Ich schließe mich denn gerne an. Aber ja, gut, ich finde, es gibt so viele schöne Ecken auf der Welt. Ja, also genau, da kann ich noch zu so einer Auswahl von Trails kommen. Ein Pro-Argument für mich für einen Trail wäre, wenn die Anreise nicht so weit ist. Das wäre ein Kontra-Argument, wenn die Anreise so weit ist. Also die Araroa, ja, finde ich schon eher okay, weil man da halt auch wirklich sehr lange unterwegs ist. Aber ich würde jetzt nicht irgendwie für einen Trail eine Pferde-Fernflug machen wollen, weil ich da zwei, drei Wochen unterwegs bin.

SPEAKER_00

Ja, ja.

SPEAKER_02

Also da hätte ich dann gerne mehr Zeit, dass sich das halt auch lohnt. Also auch aus Umweltsicht. Also das ist generell auch etwas, ich weiß nicht, wenn wir mal über das Thema noch Zelten und Unterkünfte und so sprechen, finde ich, spielt das da auch noch eine Rolle, aber da kann man dann drauf eingehen.

SPEAKER_00

Das merke ich mir vor, da komme ich drauf zurück. Aber was mir jetzt auch gerade noch so durch den Kopf geht, Fernflug und es muss sich auch lohnen, für zwei, drei Wochen lohnt sich dann meist dieser Langstreckenflug nicht. Für Christine, Christine taucht heute relativ häufig in unserer Konversation auf, aber Christine wählt ja oft auch ihre Wege nach den Kosten aus, die dann für sie entstehen. Und ich weiß ja auch von dir, dass du berufliche Auszeiten genommen hast und da, ja, wenn man eine berufliche Auszeit hat, es gibt zwar Arbeitszeitmodelle oder Job-Sabbatical-Modelle, wo man dann weiter auch so eine Art Gehalt beziehen kann. Aber wie oder welche Rolle spielen für dich in der Auswahl von Trails dann auch finanzielle Aspekte? Also schaust du dann auch, dass sich ein Trail relativ kostengünstig wandern lässt und wählst du dann auch dementsprechend aus? Oder hast du in der Vergangenheit in deinen beruflichen Auszeiten dementsprechend ausgewählt?

SPEAKER_02

Ja, schon. Wobei, ich glaube, anders als das Christine tut. Also ich habe auf jeden Fall darauf geachtet, weil ich habe, nachdem ich in Arizona Trick gegangen bin, meinen Job gekündigt und ich hatte dann halt auch einfach kein Einkommen. Das heißt, das spielt dann auch eine viel größere Rolle, als wenn man jetzt irgendwie Urlaub hat und ja, man weiß, es kommt ja dann schon wieder Geld nach. Also wusste ich ja, nee, das kommt nicht nach. Ich muss dann auch irgendwie damit klarkommen. Und denn, ja, merke ich, bin ich dann natürlich auch sparsamer oder mag da weniger ausgeben, als wenn ich jetzt weiß, okay, ich verdiene ja genug Geld. Kein Problem. Kommt ja denn der nächste Lohn demnächst. Aber ich bin jetzt nicht nach dem Devisenkurs gegangen, so wie Christine, also dem Wechselkurs. Weil, ja, wäre vielleicht mal eine gute Idee, weil da hätte ich, glaube ich, jetzt die Türkei zum Beispiel angeboten oder sie war ja in Japan, aber ich habe jetzt gesagt, Japan wandern, das wäre jetzt für mich jetzt eher nicht so das Richtige, gerade nachdem ich ihre Berichte dazu gehört habe. Vorher wusste ich das auch nicht so genau oder hatte da keine Erfahrung dazu. Was für mich jetzt eher eine Rolle spielt, ist nicht nur das Preisniveau des Landes, sondern auch, wie man unterwegs sein kann. Weil wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwie in den Weg gehen muss, wo man überwiegend in Unterkünften schläft, das kostet natürlich einfach mehr. Also vor allem natürlich, wenn man jetzt in Ländern unterwegs ist, wo die Unterkünfte auch teurer sind. Also ich merke auch, wenn jetzt die Unterkünfte vergleichsweise günstig sind oder es auch viele Angebote an einfachen Unterkünften sind. Also ich erwarte jetzt ja nicht, dass ich für wenig Geld irgend eine Luxusunterkunft bekomme. Sondern ich möchte eigentlich gerne unterwegs meine einfache Unterunterung. Also zum Beispiel ein Bad im Hostel oder ein kleines Airbnb, wo ich ein kleines Zimmerchen habe. Aber ich erwarte jetzt keine Sauna, kein Wellnis, kein perfekte, keine Designer-Möbel oder irgendwie so ein Kram. Also einfach klein und simpel. Ich merke halt, wenn es diese Art der Unterkünfte häufiger gibt, dann nutze ich sie auch durchaus häufiger, weil ich das durchaus auch mal ganz angenehm finde zwischendurch. Aber ja, also zum Beispiel gerade in Mitteleuropa oder bei uns oder natürlich auch in Nordeuropa und erst recht in den USA, sind die meisten Unterkünfte halt jetzt weniger auf Wandende ausgelehnt, sondern halt eher auf Touristen, die mit dem Auto kommen, die Urlaub haben, die sich jetzt was gönnen wollen, die es auch wirklich schön haben wollen. Das spricht mich dann aber nicht so an. Und da meide ich es dann lieber und schaue dann eher, wenn ich einen Trail aussehe, kann ich da dann auch gut zelten. Ist das gut möglich, weil wenn ich jetzt irgendwo, sagen wir mal, in der Natur wild zelte, dann kostet das ja nichts. Und wenn ich auf einen Campingplatz gehe, sind die Kosten zumindest auch begrenzt. Wobei ich jetzt die Erfahrung gemacht habe, dass auf den meisten Wanderwegen, zumindest wenn es jetzt keine sehr beliebten Wege sind, wo jetzt große Massen an Weitwandern unterwegs sind, dann gibt es auch meistens nicht so viele Campingplätze auf dem Weg. Weil die meisten Campingplätze befinden sich eher irgendwo in Nähe von größeren Straßen, wo man mit dem Wohnmobil auch gut hinkommt. Oder irgendeine Nähe von Städten. Und ja, da komme ich dann natürlich nicht so häufig vorbei. Also das spielt eine Rolle beim Einkaufen. Ja, schaue ich denn eher, dass ich so plane, zum Beispiel in Norwegen habe ich halt geschaut, dass ich jetzt möglichst im Supermarkt einkaufe und nicht irgendwie auf irgendwelchen Hütten, wo das Essen dann super teuer ist. Also ich hatte dann auch Sorgen, oh mein Gott, Norwegen, das ist doch so super teuer, wird das überhaupt irgendwie alles klappen und habe mir da viele Gedanken vorher gemacht. Das war aber alles irgendwie gar nicht so schlimm. Also eine Rolle spielt jetzt nicht nur, wie teuer ist das in diesem Land, sondern auch, wie kann ich dort übernachten, weil gerade Norwegen war eigentlich gar nicht so teuer. Interessanterweise klar, die Lebensmittel sind deutlich teurer als in Deutschland, aber wenn ich in den Supermarkt einkaufe, das fand ich jetzt nicht so dramatisch. Und meistens gab es auch, Schokolade kostet keine 5 Euro pro Tafel, habe ich schon mal festgestellt. Also das war nicht der Fall. Und wenn, war das eine 200 Gramm-Tafel? Also das sind ja quasi zwei. Also. Ja, da war ich dann doch erleichtert, wo ich da unterwegs war. Und zum Beispiel gerade in Skandinavien kann man halt auch in diese Hütten gehen. In Norwegen gibt es ungewirtschaftete Hütten und die sind dann im Vergleich zu dem, was sie bieten, als gar nicht so teuer gewesen. Also das ist dann viel günstiger, wenn ich denn in so einer Hütte zum Beispiel einen Ruhetag mache, als wenn ich jetzt irgendwo in Deutschland oder weiß ich nicht, Niederland oder sowas in ein Hotel gehen muss. Obwohl das Preisniveau da eigentlich viel höher ist. Also das spielt auch eine große Rolle. Ja, mit dem Pacific Quest Trail, da war ich nicht, aber da könnte ich mir natürlich auch vorstellen. Ich könnte mir generell vorstellen, wenn ein Weg so sehr viel begangen ist, dass die Preise dann tendenziell auch eher steigen, weil die natürlich die Anwohner dann auch vermutlich wissen, dass die Wanderer darauf angewiesen sind, diese Sachen jetzt zu kaufen und diese Preise auch.

SPEAKER_00

Angebot und Nachfrage.

SPEAKER_02

Genau, die Nachfrage ist da, sie können das verlangen. In der Stadt wird es da keiner kaufen, aber die Wanderer haben ja keine Wahl. Also kaufen sie es dann trotzdem. So könnte ich mir das auch vorstellen.

SPEAKER_00

Du als erfahrene Weitwanderin, und ich habe das ja auch angesprochen, beziehungsweise du hast das selber erwähnt, du hast ja auch berufliche Auszeichn genommen, um weite Wege wandern zu können? Und du arbeitest ja als Sozialarbeiterin und bist jetzt quasi wieder im Berufsleben. Wie war das für dich oder wie ist das generell für dich, nach Trails wieder zurückzukommen und wieder ins Berufsleben einzusteigen? Wie vereinbarst du im Grunde genommen deine Leidenschaft, weite Wege zu gehen und auch unterwegs zu sein? Wie vereinbarst du das mit deinem Berufsleben und Berufsalltag und wie fühlt sich das für dich an?

SPEAKER_02

Ja, das ist eine gute Frage, weil tatsächlich hat mich das gedanklich, beschäftige ich mich das immer wieder, weil ich natürlich, wie wahrscheinlich andere leidenschaftliche Weitwanderer irgendwann feststellen, werden das halt der Urlaub, den man so hat im Laufe des Jahres ja von der Länge her nicht ausreicht, um jetzt lange Weitwanderungen zu machen, um jetzt irgendwie einen Zoomhike auf einem langen Trail zu machen. Natürlich möchten wir jetzt vielleicht auch mal mit Familie unterwegs sein, möchte vielleicht auch Verwandte besuchen. Da braucht man dann auch wieder Urlaub für. Das ist natürlich irgendwas, wo ich mir auch Gedanken mache. Deswegen habe ich dann auch, um diese Trails zu gehen, mir eine berufliche Auszeit genommen, an dem ich meinen Job gekündigt habe. Das heißt, ich bin jetzt auch erst zurückgekommen ins Berufsleben so kürzlich. Ich habe mir eine neue Abenteuer gesucht und bin jetzt in einem anderen Bereich der sozialen Arbeit tätig. Bin aber jetzt gerade erst in dem Einstieg oder in der Eingewöhnung. Und ich merke natürlich schon, dass es eine Umgewöhnung ist, jetzt vom Trail-Leben, wo halt ja die Termine eigentlich nur so einen Aufgaben vielleicht noch einkaufen und dann so einen Untergang bzw. Zeltplatzsuche war. Jetzt sich mit vielen Kleinigkeiten zu beschäftigen, halt einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Das ist schon eine Umstellung. Ich glaube, dass diese Umstände auch gut jetzt mir nicht so schwer fällt. Ich komme schon damit klar. Aber ich merke natürlich schon auch, dass ich natürlich auch sehnsüchtig zurückschaue auf diese Zeit draußen in der Natur, vor allem einfach so viel draußen zu sein. Das, ja, denke ich, fehlt mir schon. Aber ich hoffe, dass ich das jetzt häufiger mal im Urlaub machen kann. Also ich habe dann jetzt auch eine Arbeitsstelle, wo ich häufiger mal in den Ferien freinehmen kann. Das heißt dann vielleicht auch im Sommer mal länger unterwegs sein können und hoffe, dass ich da dann so eine gute Balance bekomme zwischen Berufsleben und dem Wandern. Weil ich hätte halt gern schon, dass ich beides irgendwie miteinander kombinieren kann und jetzt nicht irgendwie jedes Mal eine Auszeit nehmen muss, um eine Wanderung zu machen. Das ist ja halt irgendwie, eigentlich finde ich das etwas näher fake. Also es werden halt schon lieber, wenn ich das dann miteinander vereinbaren kann.

SPEAKER_00

Ich glaube, dass das wünschen sich ja ganz, ganz, du hast es schon gesagt, ganz viele andere Weitwandernde auch, dass man das möglichst gut und auch flexibel und mit viel Zeit für weite Wege auch vereinbaren kann. Und das bringt mich auch schon zu meiner abschließenden Frage, und ich bin jetzt total neugierig, nach deinen Top 3 Trails, die du gerne irgendwann noch gehen wollen würdest.

SPEAKER_02

Top 3 gleich, oh. Ja.

SPEAKER_00

Oder wenn du auch nur Top 1 oder einen Top-Trail hast. Okay.

SPEAKER_02

Also das wechselt ständig und das ändert sich ständig. Also ich glaube, ich gehe jetzt immer lieber darauf ein, was sich jetzt realistisch ist, auch in den nächsten Jahren. Also, ich habe mir da schon so Gedanken gemacht. Also das eine, was ich definitiv gerne machen möchte, ich möchte in den Colomado-Trail gehen in den USA. Das ist halt auch etwas, was sich gut in den Sommerferien machen lässt. Ich weiß nicht, ob es sind so 800 Kilometer. Ich denke, das kann man auch in so einem, ich weiß nicht, fünfwöchigen Urlaub denn ganz gut machen. Also das habe ich so auf der Agenda, das möchte ich super gerne machen. Da kann man nochmal in den USA wandern, ohne dass man da irgendwie doch kündigen muss oder irgendwie was braucht. Das ist, glaube ich, relativ unkompliziert und auch jetzt auch nicht überlaufen. Das stelle ich mir ganz interessant vor. Und ich habe auch jetzt in deinem Podcast über Armenien war ich ganz angetan mit der Rebecca Salentin. Also so eine geführte Reise durch Armenien ist, glaube ich, jetzt nicht das Richtige für mich, aber der Trans-Caucasian-Trail reist mich sehr. Insbesondere den Teil durch Armenien. Also das hat mir jetzt wie ich den Mund wässrig gemacht. Das könnte ich mir auch sehr gut vorstellen, dass mal in, weiß ich, drei oder vier Wochen diesen Teil durch Armenien zu gehen. Da habe ich mich aber auch noch nicht vorbereitet oder informiert. Es ist nur das, wo ich jetzt sage, das klingt interessant. Das würde halt meinen Präferenzen auch so, wie es klang, ganz gut entsprechen. Ja, also das drei. Ja, ich hätte auch noch was, was ich gern machen würde für, sagen wir mal, eine kürzere Zeit, für zwei Wochen. Ich würde gerne den Coast-to-Chast-Trail in England gehen. Da hast du auch so eine Short-and-Dirty-Folge gehabt. Da habe ich auch so.

SPEAKER_00

Genau, viele Grüße an Uwe an dieser Stelle.

SPEAKER_02

Genau, übrigens, es hat mir diese Folge sehr gut gefallen, also weil da kamen so viele tolle Informationen zusammen, dass ich gleich dachte, super am ließen würde ich sofort loslaufen. Sehr schön. Gerade auch England. Ich würde Uwe auch sehr freuen. Das ist jetzt auch nicht so super weit weg. Da hat man keine ewig weiter Anreise, muss jetzt nicht um die halbe Welt fliegen. Das ist ja schon ganz gut. Trotzdem hat man schöne Natur, man kann es hält, man hat aber viele Resupply-Möglichkeiten. Also das denke ich, ja, klingt wirklich ideal. Und das raue englische Wetter schreckt mich jetzt auch nicht ab.

SPEAKER_00

Es ist kühler.

SPEAKER_02

Ja, es ist kühler und es wird jetzt bestimmt ja auch nicht nur regnen. Also ich denke, das.

SPEAKER_00

Naja, das klingt, also deiner, ich finde, das klingt super. Und ich drücke dir die Daumen, dass ich das gut auch, diese Pläne, dass die sich gut mit deinem Berufsleben auch vereinbaren lassen und dass du immer wieder auch Zeit für dich findest, solche Wege auch zu gehen. Aber für heute danke ich dir erstmal ganz herzlich, dass du deine Erfahrungen auf dem Sendero Italia mit uns geteilt hast. Und was soll ich sagen? Also ich glaube schon, ich bin angefixt. Ich gucke da mal genauer, was es mit dem Trail auf sich hat und wie ich den vielleicht mal auf meine Bucketlist kriegen kann, die natürlich zu gegebenermaßen sehr, sehr lang ist. Ja, also vielen herzlichen Dank fürs Gespräch.

SPEAKER_02

Es freut mich sehr, dass ich bei dir zu Gast sein konnte. Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Und ich würde mich freuen, wenn es dann noch ein weiteres Mal gibt. Das war wirklich ein super tolles Gespräch.

SPEAKER_00

Ich kann mit sehr vielen Dingen, die Diner sagt, sehr gut connecten. Und ich bin mir sicher, ihr habt auch bei der einen oder anderen Sache beim Hören zustimmen genickt. Oder vielleicht habt ihr auch eine ganz andere Meinung. Aber das Schöne ist ja, es gibt so viele unterschiedliche Wege. Da ist für jeden Geschmack und für jede Herangehensweise an zweite Wandern etwas dabei. Zu diesem Thema, also die unterschiedlichen Herangehensweisen an zweite Wandern, habe ich auch schon mal etwas in der Wanderwach- und Kaffeepause gesagt und auch im Newsletter geschrieben. Am besten gleich mal nachhören oder auch nachlesen. Wenn euch der Podcast gefällt, dann verteilt doch gern fünf Sterne in eurer Podcast-App und abonniert Wanderwach und Kaffee, falls ihr das bisher noch nicht getan haben solltet, denn so kann Wanderwachen Kaffee auch gut von anderen gefunden werden. Und wenn du Wanderwachen Kaffee intensive unterstützen möchtest, dann werdet Teil der Wanderwoch Plus Community, denn das hilft mir, den Podcast weiterhin regelmäßig zu veröffentlichen und du bekommst Zugriff auf Bonusfolgen. Alle Infos dazu in den Shownotes. So, genug für heute. Ich freue mich schon aufs nächste Mal. Bis dahin, passt auf euch auf und wie immer Happy Trails, eure Mareike